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9. Forum Marianum: Glaubensphantasien in der christlichen Bildkunst
Prof. Günter Lange erklärt Apokryphen beim 9. Forum Marianum
 (v.l.n.r.): Philnospam.ipp vonospam.n Gosnospam.sler, 2. Vorsitzender des Vereins sowie Prof. Dr. Günter Lange, Abitur 1952
Am vergangenen Sonntag fand im Gymnasium Marianum das 9. Forum Marianum statt. Zahlreiche interessierte Warburger waren der Einladung des Vereins der Ehemaligen des Gymnasium Marianum in Warburg e.V. gefolgt. Der 2. Vorsitzende des Vereins begrüßte die Zuhörer: „Wir freuen uns, dass das Forum Marianum nun schon zum neunten mal stattfinden kann.“ Referent zum Thema „Glaubensphantasien in der christlichen Bildkunst“ war Prof. Günter Lange (Abitur 1952). Das Interesse zur Kunst und zur Religion wurde bei dem studierten Theologen und Priester während der Schulzeit im Kunstunterricht von Lorenz Humburg geweckt. „In den folgenden 57 Jahren habe ich einfach nur beiden Neigungen nachgegeben“, so Lange im Gespräch.
Die Bedeutung der Phantasie für den Glauben wurde, so Lange, in der Theologie bisher von Theologen entweder übersehen, ausgespart, heruntergespielt oder in Zweifel gezogen. Diese Haltung beruht auf der Annahme, dass alle biblisch Berichtete historia sei und damit keine freie Erfindung und keine erfundene Wahrheit und damit auch realistisch in einem Bild abbildbar. Die Bildertheologie habe damit immer auf die Gedächtnisfunktion der Bilder abgehoben und damit ihre historische Objektivität betont, so Lange weiter. Heute weiß man jedoch um den subjektiven Anteil, der in vielen historischen Werken enthalten ist, der aber nicht auf den Ausführungen in der Bibel beruht. Dieser subjektive Anteil wurde von dem Künstler oder dem Auftraggeber eines Werkes (zum Beispiel einer Gemeinde) ausschmückend hinzugefügt, um ihren Glauben zu bereichern bzw. zu aktualisieren.
Lange bezeichnet diese Glaubensphantasien in seinem Vortrag auch als „apokryph“. Apokryph steht dabei aber nicht, wie im herkömmlichen Sinne, für unwahr oder illegitim, sondern aber als erzählend-erbaulichen Glaubensausdruck, der nicht zur Ehre des liturgischen Gebrauchs gelangt ist, wohl aber der persönlichen Frömmigkeit des Künstlers oder des Auftraggebers dienen mag. Glaubensphantasien sind also keine bloße wörtliche Wiedergabe des kanonischen Bibeltextes, spiegeln somit auch nicht die strenge Liturgie wieder, sondern belegen die subjektive und produktive Anverwandlung des Textes durch den Künstler.
Anhand von 18 prominenten Bildbeispielen unterscheidet Lange zwischen solchen Glaubensphantasien, die theologisch verantwortlich sind und anderen, die lediglich der Befriedigung unstatthafter Neugier dienen.
Eines der von Lange verwendeten Bildbeispiele ist die Bekehrung des Paulus vor Damaskus, dargestellt beispielsweise in einem Gemälde von Caravaggio aus dem Jahre 1601. In der Bibel, zum Beispiel in der Apostelgeschichte 9, 1-19; 22,3-21; 26, 9-18 ist keinmal von einem Pferd oder einem Reittier die Rede. Trotzdem stellt Caravaggio in seinem Gemälde den Paulus da, wie er von einem Pferd in die Tiefe fällt. Die Zugabe von einem Ross ist der produktiven Einbildungskraft des Malers zu verdanken. In der Gestaltungsphantasie der Rezipienten des Textes verschmilzt diese interpretierende visuelle Zugabe so sehr mit dem ursprünglichen Text, dass alle meinen, sie hätten gelesen, was sie tatsächlich aber nur auf dem Bild gesehen haben. Lange bezeichnet dieses Phänomen auch als „Macht der Bilder“ und sieht in der Darstellung des Falls vom Pferd auch einen gesellschaftskritischen Unterton: „Heutige Adressaten können den Sturz des Christenverfolgers vom Pferd leicht als gemalte Interpretation einer dramatischen Lebenswende nachvollziehen.“ Anlehnen kann man dies auch an die heutige Redewendung: „Vom hohen Ross herunter kommen.“
Als weiteres Beispiel für eine Glaubensphantasie führt Lange die Flucht nach Ägypten an, dargestellt zum Beispiel in einem Bild von Rembrandt aus dem Jahre 1627. So steht im neuen Testament bei Matthäus 2,14: „Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten“. Während „in der Nacht“ künstlerisch erstmals durch Maler wie Elsheimer um 1600, oder hier beim frühesten Beispiel von Rembrandts Hell-Dunkel-Malerei realisiert wird, ist von Anfang an auf Darstellungen der Flucht nach Ägypten zusätzlich zu Hilfspersonal ein Esel als Transportmittel der Familie zu sehen. Der kanonische Text sagt jedoch nichts davon. Dem Rezipienten hingegen kommt diese Hinzugabe des Esels durch den Maler stimmig vor.
Der 2. Vorsitzende dankte Lange für seinen interessanten, mit vielen Bildbeispielen unterlegten Vortrag. „Dieser Vortrag unterstreicht auch die Vielfalt des Forum Marianum und damit auch die Akzeptanz bei den Zuhörern.“, so der 2. Vorsitzende. So wurden bei den letzten neun Veranstaltungen historische, wie zeitaktuelle, aber auch wirtschaftswissenschaftliche wie auch geisteswissenschaftliche Themen vorgestellt.
Das Manuskript des 9. Forum Marianum mit 16 weiteren von Lange erkannten Glaubensphantasien kann per E-Mail oder telefonisch beim Verein gerne angefragt werden. Eine nächste Veranstaltung des Forum Marianum ist für das kommende Jahr geplant.
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Einladung zur Mitgliederversammlung des
Vereins der Ehemaligen des Gymnasium Marianum e.V.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Ehemalige,
zu nächsten Mitgliederversammlung des
Vereins der Ehemaligen des Gymnasium
Marianum möchten wir hiermit recht herzlich
einladen für:
Samstag, den 24. Januar 2009 um 16.00 Uhr
in das Café Blome in Warburg
Tagesordnung:
1) Begrüßung
2) Genehmigung des Protokolls der Versammlung
vom 30. Mai 2008
3) Berichte des Vorstands
4) Berichte des Kassenprüfers
5) Entlastung des Vorstands
6) Vorstellung der Vorhaben für 2009 (insb. der
Schulfahrt)
7) Haushalt 2009
8) Vorstandswahlen in 2010
9) Verschiedenes
Ab 17.00 Uhr laden wir alle Ehemaligen zu
einem gemütlichen Ausklang zu Kaffee/Tee
und Kuchen ein. In der Hoffnung Sie und
interessierte Freunde des Vereins zur
Versammlung begrüßen zu können, verbleiben
wir herzlichst
Der Vorstand
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